Welttag der Armen am 15. November 2020:
300 Lichter leuchten am Kloster Schuir

Es geht um mehr als um’s satt werden: Corona erschwert das Leben von Menschen in Armut und an der Armutsgrenze. Die Lebensmittelversorgung, die körpereigene Hygiene aber vor allem auch das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten werden zu einer täglichen Herausforderung. Sozial-caritative Einrichtungen arbeiten aufgrund von Corona anders als zuvor. Anlässlich des Welttags der Armen am 15. November 2020 lässt die Essener Caritas im Rahmen der Solidaritätsaktion "Eine Million Sterne" von Caritas International, 300 Lichter im Innenhof der cse-Einrichtung Kloster Schuir als Zeichen gegen die Armut leuchten. 

 

„Caritas für Essen“ beteiligt sich in diesem Jahr zum zweiten Mal an der bundesweiten Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“. „Uns ist es gerade in Zeiten von Corona besonders wichtig, auf die Situation aller Bedürftigen aufmerksam zu machen – hier in Essen, aber auch an Orten wie dem neu errichteten Flüchtlingslager Moria 2 auf Lesbos“, so Caritasdirektor Björn Enno Hermans. „Mit der Lichteraktion im Kloster Schuir setzen wir national und international ein Zeichen gegen die Armut.“

 In NRW erschweren die coronabedingten Maßnahmen neben der Lebensmittelversorgung die Hygienesituation von Menschen auf der Straße. „Wasch- und Duschgelegenheiten sowie öffentliche Toiletten stehen unter Corona deutlich weniger zur Verfügung“, so Sandra Dausend, Leitung der Bahnhofsmission in Essen. Aus Angst vor einer Infektion werden Notunterkünfte mit Wasch- und Duschgelegenheiten weniger stark angenommen. Um dem entgegenzutreten, kooperiert die Bahnhofsmission jetzt mit rail & fresh, dem Anbieter der sanitären Anlagen im Hauptbahnhof. Wertbons für die sanitären Anlagen erwirbt die Bahnhofsmission vergünstigt und gibt sie in Notfällen an die Bedürftigen ab. Dabei verzeichnet sie derzeit deutlich weniger tatkräftige Unterstützung: Weniger als 50 Prozent der ehrenamtlich Mitarbeitenden sind derzeit im Einsatz. „Viele unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören selbst zur Risikogruppe“, so Dausend. Die Bahnhofsmission sucht daher dringend Ehrenamtliche: Interessierte können sich gerne unter 0201 / 230723 melden. 

Corona: Neue Ursache sozialer Armut 
„Viele Menschen leiden darunter, dass unter Corona Tagesaufenthalte nur eingeschränkt geöffnet oder komplett geschlossen sind“, erzählt Caritas-Streetworkerin Mari Alishah. „Der Mangel an sozialen Kontakten ist deutlich spürbar.“ Gruppen, die sich zum Gespräch in der Öffentlichkeit bilden, versuchen Streetworkerinnen und Streetworker für den einzuhaltenden Mindestabstand und die begrenzte Personenzahl zu sensibilisieren. „Wir möchten um jeden Preis verhindern, dass auf die von uns betreuten Menschen auch noch Ordnungsgelder zukommen“, so Alisha, Streetworkerin der Caritas. Die durch Corona verstärkte soziale Armut bestätigt Stephan Knorr, Leiter der Suppenküche des Caritasverbands für die Stadt Essen: Suchtkranke oder psychisch kranke Menschen, die vor der Pandemie die Suppenküche für eine Mahlzeit und den Austausch mit anderen besucht haben, bleiben dem jetzigen Angebot der Tafelausgabe am Fenster fern. „Notunterkünfte sind für Menschen mit einer psychischen Grunderkrankung keine Option. In Zeiten der Corona-Pandemie möchten auch sie nicht mit anderen in einem Raum schlafen“, so Knorr. Und diejenigen, die eine Wohnung haben, bleiben aus Angst vor Ansteckung dort allein. 

Pandemie für Flüchtlinge eine Krise in der Krise 
Länder, die ohnehin täglich mit Armut, Nahrungsmittelknappheit und schlechten Hygienebedingungen zu kämpfen haben, trifft die Ausbreitung des Coronavirus noch viel härter als in Deutschland. Besonders dramatisch ist die Situation in den Flüchtlingscamps, so zum Beispiel im für das abgebrannte Flüchtlingslager Moria neu errichteten Camp auf Lesbos. Es gibt keine Duschen, keine Toiletten, keine Heizung, keinen Strom. Einfache Hygiene-Regeln lassen sich nicht umsetzen. Corona verschlimmert die Zustände im neuen Lager: Aufgrund des in Griechenland herrschenden Lockdowns haben die Menschen auch tagsüber keine Möglichkeit mehr, das Lager zu verlassen. „Die Pandemie ist für Flüchtlinge eine Krise in der Krise. Politisch darf das Thema auf keinen Fall in Vergessenheit geraten. Es muss verstärkt humanitäre Hilfe stattfinden und eine Lösung gefunden werden“, so Hermans. 

Die Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ zum Welttag der Armen ist ein Anlass, um auf die verheerende Situation aufmerksam zu machen. Wer bei der Aktion mitmachen möchte, kann ein Foto oder Video von einem digitalen Licht auf seinen Social-Media-Kanälen – auf Facebook, Twitter oder Instagram – posten und das Posting mit dem Hashtag #EineMillionSterne versehen. Das Bild oder Video erscheint dann automatisch auf der Seite https://www.caritas-international.de/wasunsbewegt/caritasfuercaritas/einemillionsterne/einemillionsterne-digitale-lichteraktion.